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Harley-Davidson Softail Breakout im Test

Ende Mai hatte ich das Vergnügen, die neue Breakout von Harley zu testen und ich kann gleich einmal vorwegnehmen, sie war in vielerlei Hinsicht ein wahres Vergnügen. Nicht nur die Optik mag manchen Cruiserfan zu begeistern, sondern auch der kraftvolle Motor und die nützlichen Features à la Harley wissen, zu gefallen.

von Rolf Fleckenstein

 

Ein echt starker Look

Das wohl ausschlaggebendste Argument für den Kauf der Softail Breakout ist der inspirierende, kraftvolle Look dieses Cruiserbikes insbesondere in der Farbe Grün, das an verschiedenen Stellen mit schnörkeligen Verzierungen ergänzt wurde, wodurch das Bike in Sachen Farbkonzept zu glänzen vermochte. Abgesehen von der Farbe liegt das Bike tief, wirkt langgestreckt, der Motor wirkt mächtig, das glänzende Chrom nimmt einen zentralen Platz im Look der Harley ein und zuhinterst wartet ein mächtiger Hinterreifen, der auch deshalb so mächtig wirkt, weil der Fender, das Heck des Bikes auf das gesetzlich minimal zulässige gekürzt wurde, wodurch der Hinterreifen stark zur Geltung kommt. Zudem sorgen die Gasser-Räder für den Dragsterlook. Nicht nur optisch gefällt der eigens für die Breakout® geformte Lenker, sondern er leistet gute Arbeit, um das Handliung der Maschine zu optimieren. Insgesamt vermag die Harley optisch in allen Belangen zu überzeugen.

Insbesondere kleinere Fahrer werden sich darüber freuen können, dass sie mit beiden Füssen stabil auf den Boden kommen, denn die Breakout verfügt über eine Sitzhöhe von nur 66 cm. Die rund 320 kg Gewicht fühlen sich nicht schwer an, insbesondere für Cruiserbiker, die sich an die Gewichtsklasse solcher Bikes gewöhnt haben. Bei einer 1700-Kubik-Maschine erwartete ich dann auch einen Sound, der kraftvoll ist, was mich bei einem früheren Test der Harley V-Rod Muscle enttäuscht hatte. Also, Elektrostarter drücken, ohne Gas zu geben, denn es ist ein Einspritzmotor, und ein kräftiges Aufheulen und darauf folgendes, brodelndes „Tutututu…“ erklingt, das aus dem luftgekühlten Twin Cam 103B™-Motor kommt, das ist die Soundreferenz der Softail Breakout. „Deutlich besser“, denke ich als die Harley V-Rod Muscle, doch schwächer als eine Intruder 1800 von Suzuki oder Triumph Thunderbird, die beide in derselben Kubikklasse spielen. Soundmässig ist also noch Luft nach oben, da kann im Bedarfsfalle sicherlich der Harley-Händler weiterhelfen.

Geschaffen fürs Cruisen

Die Breakout ist dafür geschaffen, am Beach entlang zu cruisen, langgezogene Kurven und Geraden sind für sie wie gemacht. Es ist keine Motocross-Maschine oder Enduro, um Offroadgelände zu erkunden, und auch kein Kurvenracer, um tief auf die Seite gelegt, Speed-Rekorde zu brechen. Die Breakout ist die gemütliche, relaxte, aber auch kraftvolle Gefährtin, die souverän über den Bikebubis steht, die sich noch beweisen müssen. Insbesondere der breite 240er-Hinterreifen macht das Bike anfangs auch etwas sperrig, insbesondere um enge Kurven rum. Denselben Effekt erlebt man auch mit der Suzuki Intruder 1800, die den gleich breiten Hinterreifen aufweist. Es braucht schon gefühlt ein paar Tage, bis man sich an das Bike gewöhnt hat, dann aber fühlt es sich easy an und man hat keine Mühe mehr mit der speziellen „Dimension“ des Bikes. Auch die Fussrasten sorgen sehr bald auf unangenehm störende Weise, dass Schluss ist mit Seitenlage, wenn man einen gewissen Neigungswinkel auf die Seite erreicht hat. „Hör auf zu hetzen, ich bin ein Cruiserbike und kein Racer“ sagt einem das Bike klar und deutlich mit seinem Verhalten. Beeindruckend ist die ultrakomfortable Federung, die sich sehr angenehm bei Unebenheiten und Schlägen auf der Fahrbahn äussert, ganz klar 1a! Und auch Autobahn-Fahren macht keinen wirklichen Spass, denn wie bei jedem Cruiserbike verhält sich der Oberkörper wie ein Segel im Wind und muss die ganze Wucht des Fahrtwindes auffangen, was auf lange Strecken unnötig ermüdend sein kann. Hier müsste ein Windschutz her, was die Optik aber auf keinen Fall zulässt.


Starke Features à la Harley

Harley-Davidson hat nicht umsonst einen unverkennbaren Ruf, denn die Jungs aus Milwaukee machen Vieles anders als andere Marken und häufig auch einfach besser. Der Schlüssel der Harley wird verwendet, um das Zündschloss auf- oder abzuschliessen und das Lenkschloss zu betätigen, eingesteckt zu bleiben, wie man es bei den Japanern kennt, braucht er nicht. Das birgt die Gefahr, dass man den kleinen Schlüssel verliert, wie es mir schon passiert ist, dafür hat man einen Schlüssel für zwei Schlösser, raffiniert. Blinken à la Harley heisst für jede Seite einen Blinkerhebel, der einmal betätigt werden muss, damit der Blinker startet und in der Regel von alleine zu blinken aufhört, sobald man die Kurve wieder verlassen hat: „Das Bike verfügt über künstliche Intelligenz!“. Wer in den 6. und damit letzen Gang hochgeschaltet hat, erkennt auf dem Tacho eine leuchtende 6, damit wird dem Fahrer signalisiert, dass er sich im 6. Gang befindet und er nicht mehr hochschalten kann, sehr elegant. Abgesehen von den Warnblinkern, wie man es vom PKW kennt, beeindruckt die Harley mit der Anzeige, wenn das Benzin zur Neige geht. Sobald der Reservetank angezapft wird, leuchtet nicht nur das Tanksäulensymbol auf dem Instrumentenboard, sondern es wird automatisch eine Restreichweite angezeigt, beginnend bei 50 km Restreichweite, die dem Fahrer verlässlich anzeigt, wie weit er noch mit dem restlichen Tankvolumen kommt: Äusserst komfortabel!

Insgesamt ist die Harley-Davidson Softail Breakout ein wunderschönes Cruiserbike mit genug Schmackes unter der Haube, das dafür geschaffen ist, das Riden zu geniessen. Der tolle Look und die zahlreichen starken Features, welches das Bike aufweist, sprechen klar für die Souveränität dieser hochklassigen Cruisermaschine. Einzig beim Sound könnte man noch etwas nachhelfen. Wer jetzt zuschlägt, kommt darüber hinaus in den Genuss 10-20% Rabatt auf die Katalogpreise, die bei CHF 23‘900.00 starten, zu bekommen.

Editor's Rating

Design
Power
Handling
Sound
Bikefeeling

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